Loisach und Wiesent (WWTOK, Teil 1)

„WW-Tour ohne Kompromisse“ oder doch eher „Paddeltour gegen alle Widerstände“? (Loisach, Wiesent, Lech /12. – 17. Juni 2011)

 

WWTOK Teil 1, Loisach und Wiesent, 12. – 15. Juni 2011

 

Schon Anfang des Jahres beschlossen Alexander und ich uns in ein Paddelabenteuer der besonderen Art zu stürzen – wir wollten im Juni eine Woche lang eine Paddeltour machen, die bezeichneterweise „WW-Tour ohne Kompromisse (WWTOK)“ hieß, allerdings wurde daraus eine „Paddeltour gegen alle Widerstände“ warum, werdet ihr gleich lesen.

 

Die drei Wochen vor dem Starttermin unserer Tour war durchgehend Kaiserwetter mit Sonnenschein, Wärme und mit sehr guten Wasserständen – einer tollen WW-Tour schien nichts mehr im Wege zu stehen. Allerdings zwei Tage vor Beginn der Tour (welche wir leider letztendlich aus beruflichen und aus privaten Gründen auf 5 Tage kürzen mussten) kam „gerade rechtzeitig“ eine Schlechtwetterfront mit Kälte und Regen. Dadurch hatten wir das Problem, dass im Süden, wo das Wetter noch schöner war, die Wasserstände durch die vorangegangene Hitzewelle zu niedrig waren und im Norden, wo die Wasserstände in Ordnung waren, hat es wie aus Kübeln geregnet.

 

Allerdings ließen wir uns nicht davon abhalten und starteten am ersten Tag mit einer Ausweichstrecke, mit der Loisach (Farchant bis Eschenlohe – immer wieder eine schöne, wenn auch nicht als WW zu bezeichnende Strecke). Nachdem wir auch bei der Abfahrt in Innsbruck noch etwas Zeit liegen ließen und wir uns auch noch eine Unterkunft in Eschenlohe besorgt hatten (und auch noch zwei, drei Schachpartien gespielt haben), paddelten wir „etwas später“ (ca. 19.00 Uhr) los – war aber eine tolle Sache.

Unser Auto holten wir danach mit dem Zug ab (die Zugverbindung von Eschenlohe nach Farchant recht gut), jedoch gingen auf den Weg retour die Klimaanlage und die Lampen beim Auto flöten.

 

Da das Wetter immer schlechter, statt besser wurden, beschlossen wir am nächsten Morgen, weiter in Richtung Norden in die fränkische Schweiz (DE)  zu fahren und zwei Flüsse (Pegnitz und Wiesent – laut Beschreibung vermeindliche WW2-Flüsse) TWV-erstzubefahren.

 

Nach rund 5 Stunden Autofahrt bei strömenden Regen kamen wir zuerst bei der Pegnitz an. Leider erwartete uns statt einem reißenden wilden Fluss, eine Art See (wo hier das WW hätte sein sollen, wissen wir leider bis heute nicht).

Etwas enttäuscht fuhren wir weiter zum zweiten Fluss, der Wiesent.

 

Noch am selben Abend haben wir uns einen Shuttle-Service bei einer ansässigen Kajak-Vermietung angelacht und wir hatten auch noch genügend Zeit, wieder ein paar tolle Partien Schach zu spielen und ein paar Glaserl zu trinken, voller Vorfreude auf den nächsten spannenden Tag – und spannend sollte er wirklich werden.

 

Der nächste Tag begann mit Sonnenschein und einen guten Frühstück. Der Shuttle-Service funktionierte ebenfalls einwandfrei und schon konnten wir losstarten.

 

 

Die Wiesent lässt sich am ehesten als schöner, ruhiger Wiesenfluss beschreiben, welcher aber durch seine Naturbelassenheit und durch einige Wehre durchaus auch reizbare Stellen aufzuweisen hatte (darunter auch ein WW III+ Stelle, die man allerdings nur mit dem Kajak fahren kann – so wurde es uns zumindest von einem ansässigen Kajaklehrer erklärt).

 

Schon nach wenigen Metern war die erste Schlüsselstelle zu meistern, ein Wehr mit einigen dahinterliegenden Steinen und das alles in einer engen Kurve. Grundsätzlich war die Tour gleich von Anfang an spaßig – immer wieder wechselten sich flottere Abschnitte mit Naturwehren, leichten Schwallstrecken und kleineren Umtragestellen, mit ruhigen Stellen und Steckenabschnitten ab, bei denen man sich gemütlich treiben lassen konnte.

 

 

 

 

 

 

 

Wenige Kilometer vor der Ausstiegsstelle kam dann die besagte nicht befahrbare WW III+ Stelle – ein Naturwehr in einer Kurve mit ziemlicher Wasserwucht und voll mit Felsen und Steinen (und im Nachhinein haben wir auch erfahren, dass dort eine Eisenstange im Wasser ist, die Canadier abwirft, wie ein wilder Bulle die Rodeoreiter).

 

Durch das Warnschild waren wir anfangs gewillt, weil auch entsprechend verantwortungsbewusst und vernünftig, die Stelle zu umtragen. Doch gerade auf halber Umtragestrecke kam ein Zweierkajak mit Anfängern daher, die sich einfach über das Wehr treiben ließen (sie sind dann zwar am Ende des Wehrs auf einem Stein geklebt, letztendlich sind sie aber diese schwierige Stelle gefahren).

 

Da hat uns natürlich, wider alle Vernunft, der Ehrgeiz und unsere sportliche Ehre als erfahrene C2-Paddler dazu getrieben, auf der Stelle umzudrehen, das Boot wieder nach oben zu tragen und die Stelle doch zu fahren – ein folgenschwerer Fehler, wie sich nur wenige Augenblicke später herausstellen sollte.

 

Wir paddelten also los und kamen (zumindest meiner Erinnerung nach) super in die richtige Spur durch das Wehr und wir waren gefühlsmäßig auch schon durch, als es plötzlich „schwub“ machte und wir im Wasser landeten. Nachdem ich aus dem Wasser wieder aufgetaucht bin und sah, das Alex auch schon unterhalb des Wehrs hinter dem Boot herschwamm, bekam ich (wie üblich) einen Lachflash – allerdings verging mir das Lach sofort wieder, als ich mitbekam, dass Alex seine Brille im Wasser verloren hatte, die Tonne mit Handy, Geldtasche und Autoschlüssel ohne Deckel, dafür mit Wasser gefüllt, herumgeschwommen ist und das Alex aus einigen Schürfwunden blutete.

Nachdem wir das Boot wieder „entwässert“ hatten und Alex notdürftig versorgt war und auch seine Wunden verbunden waren, sind wir die letzen paar Kilometer eher leise und reuig bis zum Ausstieg gepaddelt, wo es auch sofort nach dem Ausbooten wieder anfing, wie aus Kübeln zu regnen (so was hebt die Stimmung nicht wirklich).

 

Wir fuhren an diesem Abend nur noch wenige Kilometer weiter wieder in Richtung Süden und beschlossen, am nächsten Tag einen Abstecher in Kaufering bei Kanu Trekking Grabscheid zu machen (unserem Haus- und Hoflieferanten), um uns einerseits etwas zu erholen und um andererseits einen neuen C2 zu testen (ist mittlerweile auch schon gekauft).

 

Gottseidank hatte Alex auch Kontaktlinsen dabei, so dass wir danach auf den Lech weiterfahren konnten, wo wir unsere letzten beiden Tage verweilen wollten.

Da es wieder einmal ununterbrochen regnete, haben wir uns, nachdem wir die Schlüsselstellen und einige neue Ein-/Ausstiege angeschaut hatten, auf dem Campingplatz in Häselgehr einen „Wohnwagen“ gemietet – wirklich günstig, für uns ausreichend und vor allem auch mit wasserfester Terrasse, auf der wir dann bis spät in der Nacht (richtig!) Schach gespielt haben.


Am nächsten Morgen regnete es zwar nicht mehr, allerdings war es anfangs noch wolkig. Nur wenig später schien dann auch schon die Sonne und es war der schönste Tag in dieser Woche – einer coolen Lechfahrt stand daher nichts mehr im Wege. Nina und Ulli holten uns beim Camping Rudi ab und los gings.

 

Nina und Ulli waren im C1 unterwegs und wie immer war es eine wahre Freude, ihnen beim Paddeln zuzuschauen. Alex und ich beschlossen allerdings auf Nummer Sicher zu gehen und mit dem Schlauchi (Adventure) zu fahren – irgendwie hatte der heftige und schmerzhafte „Schwumm“ immer noch körperlich und auch geistig nachgehallt.

 

Ein kurzer Bericht über diese Lechfahrt ist ebenfalls im Blog enthalten bzw mit folgendem Link erreichbar.

 

Die Fahrt auf dem Lech war nicht nur spaßig und schön, sondern gleichzeitig auch ein versöhnlicher Abschluss unserer „WW-Tour ohne Kompromisse“ und Alex und ich haben beschlossen, eine solche Tour nächstes Jahr wieder zu machen – dieses Mal jedoch hoffentlich mit mehr WW und dafür ohne Regen und ohne all den anderen Widrigkeiten, welche uns passiert sind.

 

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